Wenn Menschen mich fragen, welches Fitnessstudio ich empfehlen würde, dann ist meine erste Antwort meistens relativ unbefriedigend für den Fragesteller: „Das kommt drauf an.“
Denn das „beste Fitnessstudio” gibt es nicht. Zumindest nicht allgemein. Das Studio, in dem ich unglaublich gerne trainiere, kann für Dich komplett ungeeignet sein. Und umgekehrt genauso.
Manche Menschen möchten einfach zweimal die Woche trainieren, etwas für ihre Gesundheit tun und ihre Muskulatur erhalten. Andere wollen maximalen Muskelaufbau betreiben, lieben Bodybuilding und freuen sich über jede neue Maschine. Wieder andere möchten einfach nur in Ruhe trainieren, ohne ständig angesprochen zu werden oder mitten im typischen Fitnessstudio-Trubel zu stehen.
Genau deshalb halte ich es für extrem wichtig, dass Du bei der Wahl Deines Fitnessstudios nicht einfach nur irgendwelche Werbeversprechen anschaust oder Dich davon beeinflussen lässt, was andere toll finden. Viel wichtiger ist, dass Du Dir erstmal darüber klar wirst, was DIR persönlich überhaupt wichtig ist.
Der Preis – oft das erste Kriterium
Für viele Menschen ist der Preis das Erste, worauf sie schauen. Und das ist erstmal auch vollkommen verständlich, denn wenn man nicht genau weiß, worauf man sonst achten soll, bleibt oft erstmal nur der Preis als Vergleichswert übrig. 20 Euro sind weniger als 40 Euro. 40 Euro sind weniger als 80 Euro. Das versteht erstmal jeder.
Das Problem dabei ist nur, dass sich Fitnessstudios oft überhaupt nicht sinnvoll vergleichen lassen, weil hinter diesen Preisen teilweise komplett unterschiedliche Angebote stecken. Das eine Studio bietet vielleicht kaum Betreuung, das andere Kurse, Sauna, hochwertige Geräte, große Trainingsflächen oder Trainer, die tatsächlich sichtbar und ansprechbar auf der Fläche unterwegs sind. Das eine Studio ist rund um die Uhr geöffnet, das andere nicht. Das eine hat eher Wellnesscharakter, das andere eine sehr ambitionierte Trainingsatmosphäre.
Deshalb sollte man sich nicht nur fragen, was etwas kostet, sondern auch, was man dafür bekommt.
Natürlich hat nicht jeder ein unbegrenztes Budget. Trotzdem glaube ich, dass viele Menschen manchmal etwas vorschnell sagen: „Das kann ich mir nicht leisten.“ Wenn man dann aber mal ehrlich schaut, wofür sonst Geld ausgegeben wird, merkt man häufig, dass es eher eine Frage der Prioritäten ist. Mehrere Streaming-Abos, ständig Essen unterwegs kaufen, das neueste Handy, obwohl das alte noch vollkommen funktioniert – und ich nehme mich da ausdrücklich nicht raus. Ich habe mir vor einiger Zeit auch das Neueste und Beste Iphone geholt und es damit begründet, dass ich es ja viel beruflich nutze (ja, mache ich ja wirklich, das alte hätte aber auch gereicht). Dafür kann ich mir irgendwas anderes nicht leisten… es ist aber wohlgemerkt nicht die Studiomitgliedschaft, an der ich spare.
Das soll jetzt keine Moralpredigt sein und jeder darf selbstverständlich mit seinem Geld machen, was er möchte. Aber manchmal hilft es durchaus, einfach mal ehrlich hinzuschauen und sich zu fragen, welche Dinge einem wirklich wichtig sind.
Wenn Dir Deine Gesundheit, Deine Fitness und Dein Wohlbefinden langfristig wichtig sind, dann kann es durchaus sinnvoll sein, dafür auch etwas mehr Geld auszugeben. Ich sehe das dann auch als Investition, nicht als reine Kosten.
Vertragslaufzeit – Freiheit oder langfristige Bindung?
Ein weiterer Punkt, den ich persönlich wichtig finde, ist die Vertragslaufzeit. Natürlich sollte Training langfristig gedacht werden. Wenn man nur von Monat zu Monat plant, wird man wahrscheinlich nicht besonders weit kommen. Trotzdem mag ich persönlich flexible Mitgliedschaften sehr gerne.
Ich trainiere selbst in verschiedenen Fitnessstudios und finde es manchmal einfach schön, neue Geräte zu nutzen, eine andere Atmosphäre zu haben oder mal etwas anderes zu sehen. Gerade wenn man häufig trainiert, kann das tatsächlich fast ein bisschen wie Sightseeing sein. Deshalb fällt es mir persönlich leichter, irgendwo zusätzlich 25 Euro im Monat auszugeben, wenn ich weiß, dass ich monatlich kündigen kann, als mich direkt wieder zwei Jahre zu binden.
Wenn Du allerdings weißt, dass Du langfristig genau dort trainieren möchtest, kann eine längere Vertragslaufzeit natürlich trotzdem absolut sinnvoll sein. Mal ganz ehrlich: ich empfehle Dir lebenslanges Training und das Ganze nicht monatsweise zu planen.
Was ich aber grundsätzlich empfehlen würde: Nutze Möglichkeiten zum Testen. Früher gab es häufiger kostenlose Probemonate, wobei man aus Unternehmersicht auch sagen muss, dass manche Menschen einfach von Studio zu Studio gehüpft sind und überall kostenlos trainiert haben. Das wäre für Dich als Unternehmer vermutlich auch nicht besonders attraktiv.
Trotzdem gibt es oft Aktionen oder Modelle, bei denen man relativ flexibel testen kann. Sowas wie zwar bezahlen aber mit der Möglichkeit zurückzutreten, wenn es Dir nicht gefällt. Und das kann durchaus sinnvoll sein… und ist auch fair gegenüber dem Unternehmer.
Die Qualität der Betreuung
Ein ganz wichtiger Punkt ist natürlich die Betreuung und die Qualität der Trainer. Das Problem dabei ist allerdings, dass man das von außen oft nur sehr schwer beurteilen kann. Denn natürlich behauptet erstmal jedes Fitnessstudio, gute Trainer zu haben. Überall heißt es, dass man optimal betreut wird und dass die Trainer kompetent seien und helfen würden.
Ob das wirklich so ist, merkt man allerdings oft erst später. Deshalb kann es sinnvoll sein, mit Menschen zu sprechen, die dort bereits trainieren. Und zwar nicht nur mit einer einzigen Person, sondern ruhig mit mehreren. Denn eine einzelne Meinung kann extrem subjektiv sein.
Vielleicht fragst Du jemanden nach der Betreuung und bekommst als Antwort: „Ja, da laufen halt Trainer rum.“ Das muss aber nicht bedeuten, dass die Betreuung schlecht ist. Vielleicht legt diese Person selbst einfach überhaupt keinen Wert darauf und hat nie wirklich mit einem Trainer gearbeitet. Eine andere Person wiederum sagt Dir vielleicht, dass Trainer XY dort richtig gut ist und sich viel Mühe gibt. Genau deshalb sollte man mehrere Eindrücke sammeln.
Man muss allerdings auch sagen, dass manche Menschen diesbezüglich unrealistische Erwartungen haben. Da wird ein Monatsbeitrag von 20, 30 oder 50 Euro bezahlt und gleichzeitig erwartet, dass permanent jemand daneben steht, jede Übung kontrolliert, ständig korrigiert und jederzeit verfügbar ist. Wenn man mal überlegt, was eine Arbeitsstunde in Deutschland kostet, merkt man relativ schnell, dass das rechnerisch oft gar nicht funktionieren kann.
Und ein Punkt ist mir dabei besonders wichtig: Du bist als Trainierender auch in einer gewissen Holschuld. Das bedeutet, dass Du selbst auf Trainer zugehen solltest, Fragen stellen darfst und ruhig das Gespräch suchen kannst. Du kannst sehr stark beeinflussen, ob Dich ein Trainer wahrnimmt und anspricht. Dieses Thema habe ich in Blog und Podcast auch schon häufiger angesprochen.
Geräte – wichtig, aber oft überschätzt
Natürlich spielen auch die Geräte eine Rolle, vor allem dann, wenn man sehr ambitioniert trainieren möchte oder sich speziell für Bodybuilding interessiert. Ich persönlich freue mich ebenfalls über hochwertige Maschinen und gute Trainingsmöglichkeiten.
Gleichzeitig muss man aber ehrlich sagen, dass das für viele Anfänger gar nicht so entscheidend ist, wie sie glauben. Die meisten Menschen sind so weit weg von irgendwelchen letzten drei Prozent Optimierungspotenzial, dass sie mit einer besseren Technik, einer besseren Ausführung, einem besseren Bewegungstempo und vor allem mehr Trainingsintensität deutlich mehr herausholen könnten als mit der „perfekten“ Maschine.
Ich kann auch in einem sehr einfachen Studio trainieren. Wenn ich beispielsweise auf Helgoland in einem kleinen Fitnessstudio bin, dann nehme ich einfach das, was dort vorhanden ist, und mache das Beste daraus. Natürlich freue ich mich über bessere Möglichkeiten, weil Training für mich eben nicht nur Arbeit, sondern auch Hobby und Leidenschaft ist. Aber entscheidend ist das nicht immer.
Die Atmosphäre im Fitnessstudio
Ein Punkt, den viele meiner Meinung nach massiv unterschätzen, ist die Atmosphäre. Und da würde ich ganz klar empfehlen, sich das Studio genau zu den Zeiten anzuschauen, zu denen man später auch wirklich trainieren möchte.
Wenn Du Montagabend um 18 Uhr trainieren möchtest, bringt es wenig, Sonntagmorgen um 9 Uhr zum Probetraining zu gehen, wenn gerade erst aufgeschlossen wurde und kaum jemand da ist. Schau Dir an, wie voll es tatsächlich ist, wie die Menschen dort miteinander umgehen und ob Du Dich in dieser Umgebung wohlfühlst.
Dazu gehört übrigens auch die Frage, ob Du mit den Menschen dort klarkommst. Das klingt vielleicht hart, ist aber vollkommen legitim. Ich höre immer wieder Aussagen wie: „Ich möchte nicht mit diesen ganzen Posern trainieren“, „Da sind mir zu viele junge Leute“, „Da sind mir zu viele ältere Menschen“, „Als Frau fühle ich mich dort unwohl“ oder „Da wird ständig gefilmt und gepostet“.
Natürlich versuche ich Menschen solche Ängste oft zu nehmen und vieles ist wahrscheinlich deutlich harmloser, als man zunächst denkt. Die meisten interessieren sich viel mehr für ihr eigenes Training als für andere Menschen. Aber wenn Du Dich irgendwo dauerhaft unwohl fühlst, dann wird dieses Studio vermutlich einfach nicht das Richtige für Dich sein.
Sauberkeit
Natürlich sollte ein Fitnessstudio sauber sein, besonders was Duschen, Toiletten und sanitäre Anlagen angeht. Trotzdem muss man auch hier etwas differenzieren.
Gerade im Hardcore-Bodybuilding-Bereich gibt es teilweise legendäre Studios, die alles andere als geschniegelt aussehen. Staubige Kellerstudios mit alten Geräten, aber gleichzeitig einer genialen Trainingsatmosphäre und richtig guten Möglichkeiten zu trainieren. Manche ambitionierten Trainierenden würden so ein Studio jederzeit einem geschniegelt-sauberen Wellnessstudio vorziehen, wenn dort das Training besser ist.
Auch hier kommt es also wieder darauf an, worauf Du persönlich Wert legst.
Öffnungszeiten
Was dagegen für nahezu jeden wichtig sein dürfte, sind die Öffnungszeiten. Die müssen schlichtweg zu Deinem Alltag passen. Das klingt banal, wird aber oft unterschätzt.
Mein erstes Fitnessstudio Anfang der 90er hatte am Wochenende gerade mal drei Stunden geöffnet. Je nach Sommer- oder Winterzeit war das mal Samstag und mal Sonntag. Damals hat man sich eben danach gerichtet.
Heute haben viele Studios deutlich längere Öffnungszeiten oder sogar rund um die Uhr geöffnet. Und gerade für Menschen mit Schichtdienst, Familie oder allgemein einem sehr vollen Alltag kann das extrem wichtig sein.
Die Entfernung – massiv unterschätzt
Ein Punkt, den ich persönlich massiv unterschätzt finde, ist die Entfernung zum Fitnessstudio. Ich wundere mich manchmal darüber, dass Menschen wegen vielleicht zehn Euro Ersparnis im Monat plötzlich deutlich längere Wege in Kauf nehmen.
Dann fährt man pro Strecke vielleicht 15 Minuten länger und trainiert dreimal pro Woche. Wenn man das mal hochrechnet, kommen da schnell mehrere Stunden zusätzlicher Zeitaufwand pro Monat zusammen – plus zusätzliche Spritkosten. Unterm Strich ist das günstigere Studio dann oftmals sogar teurer.
Noch wichtiger ist aber etwas anderes: Die Wahrscheinlichkeit, dass Du wirklich regelmäßig trainieren gehst, sinkt massiv, wenn der Weg zu lang ist. Wenn das Fitnessstudio direkt auf Deinem Heimweg liegt oder quasi auf der anderen Straßenseite ist, gehst Du auch mal spontan für 45 Minuten trainieren. Wenn Du aber erst 20 Minuten hinfahren musst, sieht das plötzlich ganz anders aus.
Deshalb würde ich die Entfernung niemals unterschätzen.
Vergleiche bewusst – aber hör auch auf Dein Gefühl
Wenn Du mehrere Studios zur Auswahl hast, kann es sinnvoll sein, die wichtigsten Kriterien einfach mal bewusst gegenüberzustellen. Preis, Entfernung, Öffnungszeiten, Atmosphäre, Betreuung oder Geräte.
Und wenn Du Schwierigkeiten hast, das Ganze objektiv einzuschätzen, kannst Du Dir dabei sogar von einer KI wie ChatGPT helfen lassen und verschiedene Kriterien unterschiedlich gewichten. Aber auch dann gilt: Diese Bewertung ersetzt niemals Dein Bauchgefühl. Denn am Ende bringt Dir das objektiv „perfekte“ Fitnessstudio überhaupt nichts, wenn Du dort nicht gerne hingehst.
Fazit
Das beste Fitnessstudio der Welt gibt es nicht. Es gibt nur das Fitnessstudio, das für Dich persönlich am besten passt. Und nur weil ich irgendwo unglaublich gerne trainiere, heißt das noch lange nicht, dass dieses Studio auch für Dich ideal sein muss.
Wichtig ist am Ende nicht, dass Du das objektiv beste Studio findest, sondern dass Du ein Studio findest, in dem Du langfristig wirklich gerne trainierst und in dem Du dranbleibst. Denn genau darum geht es letztendlich.
Was mich interessiert: Wie hast Du die Wahl für “Dein” Fitnessstudio getroffen? Was waren die Kriterien und würdest Du es heute anders machen?
