Dieser Artikel ist der vierte und letzte Teil meiner vierteiligen Blogserie „Training, das im echten Leben funktioniert“.
Im ersten Teil ging es darum, warum ein Trainingsplan im Fitnessstudio meist deutlich einfacher aufgebaut sein muss als Personal Training und weshalb komplizierter nicht automatisch besser bedeutet. Im zweiten Teil haben wir darüber gesprochen, was einen wirklich guten Trainingsplan ausmacht und warum ein Trainingsplan immer auch zum Alltag, zur Persönlichkeit und zur jeweiligen Lebenssituation passen muss. Im dritten Teil ging es dann darum, warum viele Menschen trotz guter Vorsätze und eigentlich sinnvoller Pläne trotzdem scheitern, weshalb Motivation häufig überschätzt wird und warum langfristiger Erfolg meistens viel weniger mit Perfektion zu tun hat, als viele denken.
Und genau darauf bauen wir jetzt im letzten Teil auf. Denn aus meiner Sicht wird im Fitnessbereich unglaublich viel überbewertet, während die Dinge, die langfristig wirklich den Unterschied machen, oftmals komplett unterschätzt werden.
Die Basics bringen den größten Ertrag
Wenn man sich Social Media anschaut, könnte man manchmal denken, Training wäre unglaublich kompliziert. Die perfekte Übung, die perfekte Ernährungsform, die perfekte Supplementkombination, der perfekte Trainingssplit oder irgendwelche geheimen Tricks der Profis. Natürlich können solche Details irgendwann eine Rolle spielen. Gerade bei sehr ambitionierten Trainierenden oder im Leistungssport kann es durchaus relevant sein, ob eine Übung ein kleines bisschen besser funktioniert als eine andere oder ob man an bestimmten Stellschrauben noch etwas optimiert.
Das Problem ist nur: Die meisten Menschen sind noch sehr weit davon entfernt, dass diese kleinen Unterschiede überhaupt relevant wären. Denn die Basics bringen bereits einen riesigen Teil des möglichen Ergebnisses. Regelmäßiges Training, Progression, ausreichend Intensität, eine vernünftige Ernährung, genug Schlaf und langfristiges Dranbleiben – das sind die Dinge, die wirklich den Unterschied machen.
Komplizierter bedeutet nicht automatisch besser
Ich gehöre selber durchaus zu den Fitness-Nerds. Natürlich interessieren mich auch kleine Unterschiede. Natürlich finde ich manche Übungen besser als andere und beschäftige mich gerne mit solchen Details. Aber ich kann trotzdem sehr gut unterscheiden zwischen Dingen, die einfach interessant sind, und Dingen, die für die meisten Menschen tatsächlich relevant sind.
Wenn ich irgendeine Maschine besonders gut finde, dann bedeutet das noch lange nicht, dass jemand ohne genau diese Maschine keine Fortschritte machen kann. Ganz im Gegenteil. In vielen Fällen kann man mit einer ähnlichen Übung oder einer anderen Maschine wahrscheinlich noch immer 95 bis 98 Prozent des möglichen Ertrags erreichen. Genau das vergessen aber viele Menschen. Sie verlieren sich in Details, obwohl die Grundlagen noch gar nicht stimmen.
Warum auf Social Media oft komplizierte Dinge gezeigt werden
Ein weiterer Punkt ist, dass komplizierte oder spektakuläre Inhalte einfach mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Wenn jemand einfach nur eine normale, saubere Grundübung zeigt, dann scrollen viele weiter. Wenn aber jemand halb schräg über einer Bank hängt, irgendeinen Spezialgriff benutzt und erklärt, warum genau diese Variation jetzt die ultimative Lösung für Muskelaufbau ist, dann wirkt das natürlich interessanter.
Das bedeutet nicht automatisch, dass solche Übungen komplett sinnlos sein müssen. Aber oftmals wird die Bedeutung solcher Details massiv übertrieben. Genau dadurch entsteht bei vielen Menschen der Eindruck, dass sie ständig neue Übungen, neue Systeme oder irgendwelche Geheimtipps brauchen. In Wirklichkeit brauchen die meisten Menschen vor allem Kontinuität und vernünftige Grundlagen.
Was beim Fettverlust massiv überschätzt wird
Beim Thema Fettverlust werden aus meiner Sicht vor allem besondere Ernährungsformen überschätzt. Low Carb, Intervallfasten, Keto, Clean Eating, Detox oder irgendwelche speziellen Lebensmittel und Wunderprodukte. Natürlich können verschiedene Ernährungsformen funktionieren. Manche Menschen kommen mit bestimmten Ansätzen besser zurecht als andere. Das ist auch völlig in Ordnung.
Am Ende läuft erfolgreicher Fettverlust in den allermeisten Fällen aber auf etwas relativ Simples hinaus: ein moderates Kaloriendefizit, das langfristig durchgehalten wird. Und genau dieser letzte Punkt ist entscheidend. Nicht die perfekte Methode, nicht die extremste Diät und nicht der größte Verzicht, sondern ein Ansatz, den man dauerhaft umsetzen kann.
Nahrungsergänzungsmittel werden oft überschätzt
Das bedeutet übrigens nicht, dass Supplements grundsätzlich Unsinn sind. Manche Nahrungsergänzungsmittel können durchaus sinnvoll sein. Das Problem ist eher, dass viele Menschen anfangen, an kleinsten Details herumzuoptimieren, obwohl die Grundlagen noch überhaupt nicht stimmen.
Da werden dann Supplements gekauft, während gleichzeitig die Ernährung chaotisch ist, kaum Gemüse gegessen wird, Protein fehlt, ständig Alkohol konsumiert wird, zu wenig geschlafen wird oder überhaupt keine Regelmäßigkeit im Training vorhanden ist. Und ganz ehrlich: Eine Verbesserung der normalen Ernährung würde bei den meisten Menschen wahrscheinlich deutlich mehr bringen als irgendwelche besonderen Supplements.
Auch beim Muskelaufbau werden oft die falschen Prioritäten gesetzt
Beim Muskelaufbau sieht man ähnliche Dinge. Ja, Protein ist wichtig und vermutlich sogar wichtiger, als viele Menschen früher gedacht haben. Aber sich ausschließlich auf Protein zu konzentrieren, bringt eben auch nichts.
Progressives Krafttraining, Regelmäßigkeit, ausreichende Intensität, eine insgesamt vernünftige Ernährung, genug Kalorien und ausreichende Regeneration gehören ebenfalls dazu. Genau deshalb bringt es wenig, sich komplett in Details zu verlieren, wenn die grundlegenden Dinge noch gar nicht dauerhaft funktionieren.
Die langweiligen Dinge funktionieren meistens am besten
Viele der effektivsten Dinge im Fitnessbereich sind ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Regelmäßig trainieren, genug schlafen, sich halbwegs vernünftig ernähren, progressiv trainieren und langfristig dranbleiben – das sind keine spektakulären Geheimtipps.
Und vermutlich wird genau deshalb auch vergleichsweise wenig darüber gesprochen. Denn mit Wunderlösungen, Spezialmethoden, extremen Transformationen und Geheimtipps lässt sich natürlich deutlich mehr Aufmerksamkeit erzeugen als mit ausreichend Schlaf oder vernünftiger Regelmäßigkeit.
Dabei ist Schlaf unglaublich wichtig – für Regeneration, Muskelaufbau, Leistungsfähigkeit, Hormonsystem, Appetitregulation und allgemeine Gesundheit. Aber Schlaf verkauft sich halt deutlich schlechter als irgendein neues Wunderprodukt.
Viele Menschen unterschätzen langfristige Konsequenz
Aus meiner Sicht wird langfristige Konsequenz komplett unterschätzt. Viele Menschen hoffen auf schnelle Lösungen, extreme Transformationen, kurzfristige Motivation oder den perfekten Zeitpunkt. Dabei entstehen die wirklich beeindruckenden Ergebnisse meistens dadurch, dass Menschen über Jahre halbwegs vernünftig trainieren und drangeblieben sind.
Nicht perfekt. Nicht extrem. Nicht komplett asketisch. Aber konstant.
Und genau das ist vermutlich einer der wichtigsten Gedanken dieser gesamten Artikelserie. Nicht Perfektion entscheidet langfristig über Erfolg, sondern Konsequenz.
Fazit
Im Fitnessbereich werden unglaublich viele Dinge überbewertet: komplizierte Übungen, perfekte Ernährungsformen, kleine Details, Supplements, Geheimtipps oder spektakuläre Methoden. Gleichzeitig werden die Dinge unterschätzt, die langfristig wirklich den Unterschied machen: Regelmäßigkeit, Progression, sinnvolle Ernährung, ausreichend Schlaf, realistische Planung und langfristiges Dranbleiben.
Die meisten Menschen brauchen keine Wunderlösung. Sie brauchen einen Ansatz, der dauerhaft funktioniert. Und genau darum ging es in dieser gesamten Artikelserie: nicht um Fitness in der Theorie, sondern um Training, das im echten Leben funktioniert.
Wenn Du Unterstützung dabei haben möchtest, Training sinnvoll in Deinen Alltag zu integrieren, langfristig dranzubleiben oder einen individuell passenden Trainingsansatz zu finden, melde Dich gerne bei mir.
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