Warum im Fitnessstudio so selten korrigiert wird – die ehrliche Antwort

Wenn ich mit Trainierenden spreche, die entweder mit einem Kollegen von mir zusammengearbeitet haben – sei das nun in dem Studio, in dem ich arbeite, oder irgendwo, wo ich die Trainer kenne – dann frage ich oft:

„Du, sag mal, bei wem hast Du denn eigentlich Deinen letzten Trainingsplan gemacht?“

Und dann kommt ganz häufig:
„Ähm… ja… weiß ich nicht.“

Jetzt mal ehrlich: Wenn das jetzt nicht gerade 10 oder 15 Jahre her ist, dann könnte das schon ein Hinweis sein – nicht der einzige, aber ein ziemlich klarer – warum Du mit Deinem Training bisher nicht den Erfolg hattest, den Du eigentlich haben könntest.

Und bitte rede Dich jetzt nicht raus mit:
„Ich bin halt vergesslich, ich kann mir keine Namen merken.“

Das ist genau diese selbsterfüllende Prophezeiung. Jeder, der möchte, kann sich Namen merken. Ich habe auch keine göttliche Gabe dafür. Ich versuche es einfach. Und wenn ich jemanden regelmäßig sehe, dann merke ich mir den Namen – oder ich mache mich nochmal schlau. Notfalls schreibe ich ihn mir auf.

Also egal, wie „löchrig“ Dein Gehirn ist: Den Namen von Deinem Trainer solltest Du Dir merken können. Und wenn nicht, dann hast Du ein ganz anderes Problem.


Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Wenn Du von Deinem Trainer oder generell von den Trainern im Fitnessstudio wirklich Unterstützung haben möchtest, dann musst Du mit ihnen kommunizieren.

Klar: Wenn ich sehe, dass jemand eine Übung komplett falsch ausführt, dann gehe ich hin und korrigiere. Ich mache das gerne, ich mache das oft, ich möchte allen Menschen die mit mir arbeiten – und dazu zähle ich das Training im Studio wenn ich dort bin – helfen, dass sie ihre Ziele besser erreichen.

Was viele aber vom Trainer im Studio erwarten ist schlichtweg nicht realistisch. In einem normalen Fitnessstudio trainieren gleichzeitig oft Dutzende von Menschen. Und selbst wenn drei Trainer auf der Fläche sind, kann ich Dir sagen: Ein Großteil dieser Menschen macht gerade irgendetwas nicht optimal – oder sogar ziemlich falsch.

Es kann leider nicht das Konzept eines Studios sein, dass Du für 30, 50 oder 100 Euro im Monat dauerhaft jemanden neben Dir stehen hast, der Dich bei jeder Wiederholung korrigiert.

Das wäre schön – ist aber nicht die Realität. Im Personal Training könnte man das machen, wobei die Vorteile vom Personal Training in ganz anderen Bereichen liegen, aber dazu wieder mal in einem der kommenden Artikel.

Viele glauben: „Wenn ich etwas falsch mache, wird mich der Trainer schon ansprechen.“

Nein. Komm bitte zurück in die Realität. Kann sein, dass Du angesprochen wirst, kann sein dass nicht. Du kannst es aber beeinflussen!


Warum Du oft nicht angesprochen wirst

Es gibt mehrere Gründe, warum Trainer Dich nicht ansprechen – selbst dann, wenn Du es eigentlich dringend nötig hättest.

1. Es ist schlichtweg nicht möglich
Bei der Anzahl an Trainierenden kannst Du nicht jeden korrigieren.

2. Es geht um Prioritäten
Wenn jemand sich gerade „umbringt“, dann gehe ich natürlich hin. Ziemlich egal was gerade meine eigentliche Tätigkeit ist. Aber wenn jemand eine Übung „so naja“ macht, dann ist das nicht immer der Moment für eine Korrektur.

3. Meine Erfahrung aus der Praxis
Und jetzt wird’s interessant:

Wenn ich jemanden mehrfach angesprochen habe und merke, dass es komplett ins Leere läuft – dann lasse ich es irgendwann. Das ist kein böser Wille. Das ist einfach Realität.

Wenn Du mir mehrfach zeigst, dass Dir das, was ich Dir sage, völlig egal ist, dann rede ich mit Dir lieber über Fussball oder die Landesgartenschau in Bad Nenndorf.

Nicht, weil Du ein schlechter Mensch bist – sondern weil es für uns beide sinnvoller ist. Ich ärgere mich nicht und Du fühlst Dich durch den Wichtigtuer (also mich) nicht so genervt. Bei anderen Themen ist es übrigens viel wahrscheinlicher, dass ich anerkennend nicke und Deine Meinung akzeptiere… selbst wenn Du Fan des falschen Fussballvereines bist! 😉

Un meine Energie bezüglich “Trainierende korrigieren” lasse ich dann an jemand anderem aus… gibt ja – wie Du weißt – genügend, die es bedürften.


Manche wollen gar nicht besser trainieren

Das klingt hart, ist aber so.

Es gibt Trainierende, die machen Dinge komplett falsch – und erklären Dir dann noch, warum das genau richtig ist.

Mal ganz ehrlich: Wenn ich Dir zum 57. Mal erkläre, dass eine Wiederholung länger dauern sollte als 0,3 Sekunden und dass Schwung Dein Training nicht besser macht – und es kommt nichts an…

Dann ist irgendwann Schluss. Natürlich darfst Du das weiterhin so machen. Es ist sinnlos, es ist vielleicht sogar dumm… aber hey, wer sagt denn, dass man nicht auch mal dumme Sachen machen darf? Ich befürchte, dass ich auch regelmäßig Dinge tue, die andere als extrem dumm bezeichnen würden. Und wie gesagt: nur weil jemand unsauber trainiert, ist das ja vielleicht trotzdem eine coole Person.

Wobei, wenn ich so drüber nachdenke… 😉


Auch Trainer sind nur Menschen

Jetzt mal ein Perspektivwechsel:

Ich habe recht viel Erfahrung darin, Menschen anzusprechen und zu korrigieren. Und selbst bei mir ist die Erfolgsquote nicht bei 100 %. Bei weitem nicht… obwohl dieses Gebiet – also wie kommuniziere ich, wie erkläre ich, wie überzeuge ich Menschen das zu tun, was ihnen gut tut – durchaus etwas ist, mit dem ich mich immer wieder befasse und in dem ich versuche kontinuierlich besser zu werden. Die Art und Weise wie ich jemanden anspreche ist also durchaus überlegt… aber wie gesagt: bei weitem nicht immer von Erfolg gekrönt.

Aber wie mag das vielleicht bei einem jungen Trainer sein? Gerade mal 20, Fachwissen ist durchaus schon da… erst recht wenn es um so simple Dinge geht wie Dir endlich zu zeigen, dass ein Bizepscurl keine Schwungübung sein soll. Ich hatte damals nicht die Erfahrung, wie ich Menschen anspreche… das hat mir auch keiner gezeigt. Manchmal mag wohlgemerkt auch das Interesse fehlen. Ja, vielleicht hat der ein oder andere keinen Bock.

Es kann aber auch sein, dass der Trainer einfach nur introvertiert ist. Oder sie oder er hat in der letzten Stunde dreimal jemanden korrigiert und wurde immer schroff abgebügelt… und jetzt bist da Du: böse guckend, Kopfhörer drauf, Augenkontakt vermeidend, nie lächelnd (auch wenn das Dich jetzt nicht direkt betreffen sollte, da gibt es viele von). Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass nach den drei misslungenen Versuchen Du der vierte sein wirst?

Genau! Das ist menschlich!


Und jetzt kommen wir zu Dir

Genug über Trainer gesprochen. Kommen wir zu dem Punkt, den Du wirklich beeinflussen kannst:

Dein Verhalten.

Du hast – so finde ich – in einem normalen Fitnessstudio eine Hohlschuld.

Das heißt: Du bist dafür verantwortlich, Dir die Unterstützung zu holen, die Du gerne haben möchtest. Ich weiß, das klingt erstmal komisch und noch komischer ist es, da Du ja bis eben gar nicht wusstest, dass Du diese Unterstützung gerne hättest. Ich erkläre Dir aber gerne – warum sollte ich sonst diesen Artikel schreiben? – was ich meine.


Mach Dich für Deinen Trainer „attraktiv“

Nein, nicht mit Lippenstift und Parfum. Wobei ich es durchaus interessant finde, wenn Frauen mir erzählen, wie andere Frauen sich für den Kurs bei einem (zugegebenermaßen wirklich sehr charmanten) Kollegen aufbrezeln. Mein Tipp geht in eine andere Richtung.

Wenn Du im Fitnessstudio trainierst (nicht im Personal Training, nicht in der Kleingruppe, da läuft das ganz anders!!!), dann:

  • Baue eine Connection zu Deinem Trainer auf.
  • Lerne seinen Namen – und sorge dafür, dass er Deinen kennt.
  • Komm ins Gespräch, gerne auch mal unabhängig vom Training.
  • Zeige Interesse.
  • Sprich ihn mit Namen an! “Hallo Torsten!” ist irgendwie cooler als “Hey Du, ich hab mal ne Frage!” Wobei: überhaupt grüßen ist schon cool… und für manche wäre es auch schon recht vorteilhaft aufs gegrüßt werden zu antworten.
  • Und vor allem: Sag ganz klar, dass Du korrigiert werden möchtest.

„Bitte sag mir, wenn ich etwas falsch mache.“

Das macht einen riesigen Unterschied. Denn dann bist Du nicht mehr irgendeine Person auf der Fläche – sondern jemand, der gesehen wird. Wenn Du mich mit Namen angesprochen hast, dann werde ich mir auch Deinen Namen merken und spreche Dich beim nächsten Training mit eben diesem an… und vielleicht ergibt sich ein kurzer Small Talk daraus und dann … nee, zu weit denken müssen wir das nicht. Ich bin sehr glücklich verheiratet! Aber vielleicht entwickelt sich zwischen uns da eine gute Trainer-Sportler-Beziehung.

Wie gesagt, mit MIR ist das sowieso sehr einfach, ich habe da einfach Bock zu. Ich denke aber, auf diesem Wege kannst Du auch die schüchterne Trainerin, die ja eigentlich auch gerne ihr Trainingswissen mit Dir teilen würde überzeugen, Dich besser zu unterstützen.


Und noch ein kleiner Realitäts-Check

Ja, es gibt auch Fälle, da werden junge, gut aussehende Menschen vielleicht schneller angesprochen als andere. Zum Beispiel auch als ich.

Das ist nicht schön, aber das gibt es überall. Darauf hast Du keinen Einfluss. Aber auf alles andere schon.


Fazit

Wenn Du seit Jahren im Studio trainierst, den Namen Deines Trainers nicht kennst und Dich wunderst, warum sich nichts verändert, dann solltest Du Dir eine Frage stellen:

„Habe ich überhaupt jemals aktiv dafür gesorgt, dass mir jemand hilft?“

Wenn die Antwort „Nein“ ist, dann hast Du Deinen ersten Ansatzpunkt. Gleichzeitig weißt Du, was Du besser machen könntest, falls es für Dich Sinn ergibt, was ich Dir heute erzählt habe.


Mein Tipp für Dich

Geh beim nächsten Training aktiv auf einen Trainer zu.

Stell Dich vor.
Frag nach Deinem Training.
Und sag ganz klar:

„Ich möchte besser trainieren. Bitte sprich mich an, wenn Du etwas siehst.

Oder hast Du vielleicht jetzt schon ein paar Tipps für mich?“

Das kann Dein Training komplett verändern. Und vielleicht kennst Du dann auch bald den Namen Deines Trainers.


Und wenn Du merkst, dass Dir das nicht reicht oder Du gar nicht erst ausprobieren willst, ob Du Dir alles selbst zusammensuchst:

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