„Sport ist nicht meins und in der Schule hatte ich sogar eine 5“

Vorgestern kam ein Pärchen ins Studio marschiert. Er interessierte sich für Fitnesstraining. Auch wenn ich es nur am Rande mitbekommen habe, war es nicht die pure Lust am Sport, sondern eher die Notwendigkeit, etwas für den Körper zu tun. Das ist übrigens in recht vielen Fällen so. Oftmals ist es der Arzt, der jemanden schickt mit dem konkreten Hinweis, dass die Rückenschmerzen nicht von ein paar Massagen weggehen, wenn es allgemein an Muskulatur fehlt oder dass wenn man jetzt nicht bald so richtig was ändert, das Leben schneller vorbei sein könnte, als man das vielleicht erhofft.

Mein Freund und Kollege Frank hat die beiden durchs Studio geführt, ihm schon mal gezeigt, was sie machen können um den Herren voran zu bringen und einen Termin fürs Probetraining gemacht.

„Und Du?“ Die Begleitung lächelte und schüttelte den Kopf auf Franks Frage hin: „Sport ist nicht so meins. Ich hatte in der Schule sogar eine 5!“ … und sie müsse auch immer sehr früh aufstehen und sei dann müde und würde es nicht schaffen.

Ich muss zugeben, drei Uhr ist wirklich sehr früh zum Aufstehen, aber darum geht es hier nicht.

#sportmachtspass

Falls Du bei mir trainierst, weißt Du das, aber die eine oder andere Leserin des Blogs oder manch Zuhörer des Podcasts ist vielleicht (leider) nicht Mitglied der Deistertraining-Outdoorkurs-Gruppe. Bei den Kursen, genauso wie eigentlich schon immer auch bei Kursen, die ich in Studios gebe bzw. gegeben habe, ziele ich immer auch darauf, dass die Teilnehmer Spaß an dem Kurs haben. Das bedeutet wohlgemerkt nicht, dass deswegen weniger gearbeitet wird, es weniger anstrengend ist oder wir ein nicht so effektives Training durchziehen. Ich fordere meine Kursteilnehmer so richtig und jede und jeder, die oder der regelmäßig teilnimmt, steigert im Laufe der Wochen, Monate und Jahre seine körperliche Leistungsfähigkeit beträchtlich. Frank erwähnte erst vor kurzem mal wieder, was für fitte Kursteilnehmer ich doch hätte, gerade auch wenn man bedenkt, dass viele eben nicht mehr Mitte 20, sondern zu einem nicht kleinen Teil durchaus 30 oder 40 Jahre älter sind.

Aber auch wenn wir super effektiv arbeiten, so bedeutet das ja nicht, dass wir nicht auch mal lachen dürfen zwischendurch. Ich baue Spiele ein (das nennt sich „Gamification“), haue den Teilnehmern auch mal den einen oder anderen Spruch um die Ohren… was übrigens für die meisten kein Problem ist, wenn das Ganze gepaart wird mit Lob und echter Anerkennung… und sollte jemandem die Art und Weise nicht gefallen, dann gibt es für diese Person ja noch hunderte weitere Sportangebote im Umkreis die besser passen könnten. Ich glaube die meisten kommen wirklich gerne und nicht nur, weil sie etwas für ihren Körper machen müssen.

Wenn Du für Dich ein Sportangebot oder eine Sportgruppe findest, bei der Du Spaß hast, sportlich richtig gut vorankommst und eventuell (wie bei Kursen) das Ganze noch mit einer tollen Gruppe von Menschen (die nicht so tollen Menschen haben meist keinen Spaß an so einer Gruppe, hehe) teilen kannst, dann ist das doch eine Win-win-win-Situation und Du bleibst dabei. Das ist übrigens ein ganz wichtiger Punkt, ich wiederhole es noch mal mit anderen Worten: Du hast Spaß, hast Erfolg und bleibst dran!

Sie hatte bisher keinen Spaß

Kommen wir aber zurück zu der Begleitung des Interessenten zu Beginn. Sie hatte so wie das klang (ich habe das Gespräch nur am Rande mitbekommen) bisher keinen Spaß an sportlicher Aktivität gefunden. Das kann ich auch durchaus verstehen. Wenn Du tendenziell eher unsportlich bist, dann ist Schulsport eher nicht so die Zeit der Woche, auf die Du Dich so richtig freust. Das ist dann eher eine Qual!

Auf die Lehrer oder das System zu zeigen ist hier meiner Meinung nach auch nicht angebracht, zumal „die Lehrer“ jetzt auch die grandios guten und die eher schlechten zusammenfasst, was auch nicht fair ist. Ich habe ehrlich gesagt auch keinen Schimmer, wie man Schulsport so organisieren könnte, dass er für alle ein echter Gewinn ist. Für mich wird es für den erst meiner hoffentlich noch sehr langen Laufbahn als Trainer immer so bleiben, dass ich es mit Menschen zu tun haben werde, welche von Kindesbeinen an Sportjunkies waren und solchen, die Sport HASSEN… und natürlich allem zwischendrin. Wobei ich befürchte, dass es sich mit den vielen übergewichtigen und adipösen Kindern mehr und mehr in Richtung der nicht so sportbegeisterten Menschen verschieben wird.

Kommen wir aber auf diesen konkreten Fall zurück, da er definitiv kein Einzelfall ist und diese Dame für viele andere Menschen steht, die bisher in ihrem Leben keinen Zugang zum Sport gefunden haben. Denn so sehr ich – wie ich Dir hoffentlich gut erklärt habe – dafür stehe, dass Sport auch Spaß machen kann:

ES GEHT NICHT NUR UM DEN SPASS

Sorry für das Geschrei! Es ist mir aber in diesem Fall wichtig und ich wollte sichergehen, dass Du zwischenzeitlich nicht eingenickt bist… bzw. wollte ich sichergehen, dass falls das passiert sein sollte, Du jetzt wieder bei uns bist, denn die folgende Message ist wichtig:

Ganz egal, ob Du Spaß an Sport und insbesondere Krafttraining hast, es wäre nicht clever, darauf zu verzichten!

Ich richte mich mit meinem Sportangebot ja im Großen und Ganzen an die Menschen, die sich bereits dafür entschieden haben, etwas zu tun. Teils sind sie auch schon seit längerem dabei, suchen nach einer Abwechslung oder haben ein konkretes Ziel. Die Menschen, die die Notwendigkeit für eine gesunde Ernährung, mehr Bewegung und regelmäßiges Krafttraining nicht sehen, die lesen meine Artikel nicht, hören nicht freiwillig meinen Podcast und kommen auch nicht zufällig aus Versehen weil sie bei ihren drei Streaming-Plattformen nichts finden zu meinen Sportangeboten.

Wir sollten aber nicht vergessen – und vielleicht bist Du ja doch eine dieser Personen und ein gut meinender (!!!) Freund hat Dich hierher gebracht – dass es eine sehr schlechte Entscheidung ist, nicht zumindest ein paar grundlegende Dinge für sich und seine Gesundheit zu tun. Da ist es vollkommen egal, ob das Spaß bereitet oder nicht! Nichts zu tun ist einfach fahrlässig!

Wenn Du nichts für Dich tust, wird es nicht so bleiben… alles wird schlechter!!!

Ob wir jetzt die Dame aus dem Beispiel nehmen oder eine beliebige andere Person… Dich zum Beispiel! 🙂 Du stehst heute vor der Entscheidung, etwas Gutes für Dich zu tun oder es halt eben zu lassen. Und morgen stehst Du wieder vor derselben Entscheidung.

Oftmals sind Menschen mit ihrer derzeitigen Situation nicht sehr zufrieden, zum Beispiel:

  • Übergewicht – das sich im Laufe der Jahre angesammelt hat,
  • Rückenschmerzen (oder andere Wehwehchen) – gegen die das letzte Sechserpakt Massagen auch nicht wirklich geholfen hat,
  • Unbeweglichkeit – mit den Kindern oder Enkelkindern auf dem Boden spielen fiel früher auch leichter,
  • schlechte Blutwerte, hoher Blutdruck und Co – ja, der Arzt schimpft da jedes Mal, aber den Blutdruck haben wir ja mit den Medikamenten einigermaßen im Griff.

Oftmals ist es ein „Ach, das ist jetzt alles nicht so optimal, aber so geht’s noch“-Gefühl, aber ich habe eine bittere und leider zu 100% eintretende Zukunftsprognose: es wird so nicht bleiben, es wird schlechter! Die Muskeln werden schwächer und nach und nach immer weniger (das ist leider wenn man nichts tut ab etwa dem 30-Lebensjahr so), unter anderem dadurch werden die Probleme größer, beweglicher wirst Du auch nicht und ganz gleich wie heftig Du Dich schüttelst, das Körperfett wird nicht einfach von Dir abfallen und Dich wieder schlank machen. Der Blutdruck und alle anderen Risikofaktoren werden immer schlechter und wenn wir schon von Risiko sprechen, dann sollten wir auch kurz mal erwähnen, was wir damit meinen:

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Diabetes Typ 2
  • Krebs

Du triffst heute eine Entscheidung

Du stehst heute (und zukünftig jeden Tag) vor der Entscheidung, ob Du die Dinge ihren Lauf nehmen lässt – wohlgemerkt in eine für Dich nicht so grandiose Richtung – oder ob Du aktiv die Richtung änderst, in die Deine Zukunft sich bewegt.

Es muss um wirklich effektiv etwas zu ändern meist gar nicht sein, das Leben komplett auf den Kopf zu stellen und alles zu ändern. Meist reichen einige Dinge ja schon aus. Ja klar, auch punktuelle Veränderungen können schwer sein, beispielsweise mit dem Rauchen aufzuhören oder mit dem regelmäßigen Training zu beginnen. Wenn Du 40, 50 oder 60 Jahre lang eine Abneigung gegen Sport gehabt hast, dann kann ein zweimaliges Training über 45 Minuten die Woche schon recht abturnend wirken… aber:

Manchmal muss man Dinge tun, die keinen Spaß machen

Jetzt mal ehrlich, hast Du alles im Leben bisher gerne gemacht? Ich denke da sind viele Dinge, die Du teils über viele Jahre durchgezogen hast, die echt kein Spaß waren:

  • für viele die Schule,
  • Jobs, zu denen man nur gegangen ist, um ein paar Euro zu verdienen und leider waren es dann oft auch nur einige Euro,
  • Beziehungen, die es echt nicht wert waren bzw. die am Ende mehr Schlechtes als Gutes gebracht haben, die man aber irgendwie zu spät beendet hat.

Und jetzt mal ganz im Ernst, wir hatten doch alle solche Dinge im Leben, die definitiv nicht vergnügungssteuerpflichtig waren und jetzt gibt es mit Krafttraining/ Muskeltraining etwas, das – könnte man es als Medikament schlucken – reißenden Absatz finden würde. Okay, zweimal die Woche müsste man sich überwinden, auch wenn man erstmal keinen Bock dazu hat und wenn es auch ein bisschen anstrengend sein wird (Du musst Dir, um die positiven Effekte des Krafttrainings zu spüren, aber kein Bein ausreißen). Dieses Training und vielleicht auch noch eine kleine Ernährungsveränderung, die machen Dein Leben besser und schmerzfreier und verhindern zudem noch den einen oder anderen frühzeitigen Tod…

Wenn Du das mal so betrachtest, ist es dann nicht vollkommen egal, ob Du da jetzt Bock drauf hast oder nicht und ob Du in der Schule eine gute Note im Sport hattest?

Mein Tipp an jede und jeden: auch wenn Du keine Lust hast, leg los! Alles andere wäre fahrlässig. Gerne können es erstmal kleine Schritte sein und genau genommen empfehle ich zuerst ja auch meist kleine Schritte. Nach und nach kann man gegebenenfalls ja noch immer Schritte hinzufügen.

Ich helfe Dir gerne bei den ersten Schritten und dann auch, dabei zu bleiben und nicht wieder aufzuhören.

Schau doch mal in mein Buch „Fang an – Bleib dran!“, in welchem ich viele Tipps und Tricks liefere für eben jene Schritte.

Und an die Dame, die ihren Mann/ Lebensgefährten ins Studio begleitet hat, aber selber nicht loslegen wollte:

  1. Danke für die Inspiration für diesen Artikel/ diese Podcastfolge.
  2. Auch wenn Du keine Lust auf Sport hast, ich hoffe dass Du trotzdem bald anfängst. Du tust es für Dich! Du hast schließlich nur diesen einen Körper und dieses eine Leben!

Ich hoffe, Du konntest aus dem heutigen Beitrag wieder das ein oder andere für Dich herausziehen, dass Dir auf Deiner persönlichen Fitnessreise weiterhilft. Falls ja, lass es mich gerne wissen!

Dein Torsten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert