Dieser Artikel ist der dritte Teil meiner Blogserie „Training, das im echten Leben funktioniert“.
Im ersten Teil ging es darum, warum Personal Training und ein klassischer Trainingsplan im Fitnessstudio zwei völlig unterschiedliche Dinge sind und warum ein guter Trainingsplan oft deutlich simpler aufgebaut sein muss, als viele denken.
Im zweiten Teil haben wir darüber gesprochen, wie ein guter Trainingsplan überhaupt entsteht, warum Individualität wichtig ist und weshalb ein Plan immer zum Alltag, zur Persönlichkeit und zur Lebenssituation der jeweiligen Person passen sollte.
Und genau darauf bauen wir heute auf. Denn selbst ein theoretisch guter Trainingsplan bringt am Ende wenig, wenn er in der Praxis nicht dauerhaft umgesetzt wird.
Warum viele Trainingspläne scheitern – obwohl sie theoretisch gut aussehen
Viele Trainingspläne scheitern nicht daran, dass sie komplett schlecht wären. Ganz im Gegenteil. Oft sehen sie auf dem Papier sogar ziemlich gut aus. Da steckt Struktur drin, gute Übungen, vielleicht sogar ein sinnvoller Trainingssplit. Das Problem ist nur: Viele dieser Pläne funktionieren zwar theoretisch, aber nicht im echten Leben.
Und genau das ist aus meiner Sicht einer der größten Fehler im Fitnessbereich überhaupt. Denn der perfekte Trainingsplan bringt dir nichts, wenn du ihn nach drei Wochen nicht mehr umsetzt.
Viele versuchen zu Beginn, zu viel perfekt zu machen
Das sehe ich seit Jahren immer wieder, gerade im Fitnessstudio. Menschen starten hochmotiviert und wollen ab jetzt alles gleichzeitig ändern: vier- oder fünfmal pro Woche trainieren, die Ernährung komplett umstellen, jeden Tag 15.000 Schritte gehen, früher schlafen, keinen Zucker mehr essen, perfekt meal preppen und sämtliche Supplements kaufen. Und natürlich sieht das am Anfang erstmal gut aus.
Das Problem ist nur: Dieses neue Leben passt häufig überhaupt nicht zum bisherigen Alltag. Kaum jemand kann eine komplette Rundumveränderung dauerhaft von heute auf morgen durchziehen. Und genau deshalb scheitern viele Menschen nicht an mangelndem Wissen, sondern daran, dass sie versuchen, zu viel zu perfekt zu machen.
Das bedeutet übrigens nicht, dass man nicht mehrere Dinge gleichzeitig verbessern darf. Natürlich kann man anfangen zu trainieren, gleichzeitig ein bisschen mehr spazieren gehen und bei der Ernährung schon einige sinnvolle Änderungen umsetzen. Aber es muss eben nicht sofort alles perfekt sein. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist erstmal ein guter Schritt.
Motivation wird massiv überschätzt
Viele Menschen denken, langfristiger Erfolg hätte vor allem etwas mit Motivation zu tun.
Die Realität ist aber, dass Motivation schwankt – und zwar bei jedem. Niemand ist dauerhaft maximal motiviert. Auch Menschen, die seit Jahren trainieren, haben Tage, an denen sie keine Lust haben.
Deshalb funktionieren gute Trainingspläne nicht nur an perfekten Tagen. Sie funktionieren auch an stressigen Tagen, an müden Tagen und an Tagen, an denen man eigentlich lieber auf dem Sofa liegen würde.
Und genau darum versuche ich Trainingspläne immer so zu gestalten, dass sie auch an schlechten Tagen noch machbar wirken und mit einer größeren Wahrscheinlichkeit ausgeführt werden.
Gute Trainingspläne funktionieren auch an schlechten Tagen
Wenn jemand sagt: „Heute fühle ich mich eigentlich überhaupt nicht nach Training“, dann bedeutet das nicht automatisch, dass die Einheit komplett ausfallen sollte. Ich rede jetzt natürlich nicht davon, wenn jemand krank ist oder wirklich völlig fertig. Aber oft geht es einfach darum, dass man sich gerade nicht besonders energiegeladen fühlt.
Und genau da erlebe ich im Personal Training häufig etwas Interessantes. Manchmal kommt jemand morgens zum Training und sagt direkt: „Heute wird das nichts.“ Und sobald die Person erstmal in Bewegung kommt, läuft die Einheit plötzlich doch ziemlich gut.
Natürlich gibt es auch Tage, an denen man merkt, dass heute vielleicht eher Erhalt angesagt ist. Vielleicht ein paar Wiederholungen weniger oder vielleicht nicht dieselbe Leistung wie letzte Woche. Aber ganz ehrlich: Eine Trainingseinheit mit 80 Prozent Einsatz ist trotzdem eine Trainingseinheit.
Und gerade wenn jemand vielleicht nur zwei- oder dreimal pro Woche trainiert, macht es einen riesigen Unterschied, ob diese Einheit komplett ausfällt oder ob man wenigstens etwas macht. Etwas zu machen ist in den allermeisten Fällen deutlich besser als gar nichts zu machen.
Das Pareto-Prinzip passt auch beim Training erstaunlich gut
Es gibt ja diesen bekannten Gedanken, dass man mit 20 Prozent des Einsatzes bereits 80 Prozent des Ergebnisses erreichen kann. Ob das mathematisch beim Training jetzt exakt so stimmt, sei mal dahingestellt. Aber der Grundgedanke passt ziemlich gut: Mit relativ wenig sinnvoll eingesetztem Aufwand kann man bereits sehr viel erreichen.
Und genau deshalb arbeite ich bei vielen Trainierenden bewusst mit einfacheren, kürzeren und realistischeren Lösungen. Gerade bei Menschen, die Schwierigkeiten haben, regelmäßig dranzubleiben, schreibe ich häufig nicht nur einen normalen Trainingsplan, sondern zusätzlich auch eine kürzere Variante.
Wenn der komplette Plan aus zehn Übungen besteht, bekommen die Trainierenden beispielsweise zusätzlich die Information:
„Wenn du heute wenig Zeit hast oder einfach merkst, dass es nicht komplett klappt, dann mach wenigstens diese fünf Übungen. Das sind die wichtigsten.“
Und dadurch entsteht etwas sehr Wichtiges: Die Person hat nicht das Gefühl, komplett gescheitert zu sein, und gleichzeitig wird trotzdem ein großer Teil des möglichen Trainingsertrags mitgenommen.
Das nächste shiny object
Ein weiteres riesiges Problem ist, dass viele Menschen ständig ihren Trainingsplan wechseln. Neue Übungen, neue Methoden, neue Influencer, neue Trainingssysteme und neue Challenges sorgen permanent für neue Reize und neue Ideen.
Man sieht irgendwo etwas Interessantes und denkt sofort: „Das muss ich jetzt auch machen.“ Und genau dadurch entsteht häufig keine wirkliche Kontinuität.
Natürlich darf man Dinge anpassen oder weiterentwickeln. Aber wenn alle paar Wochen alles wieder komplett verändert wird, entsteht meistens keine sinnvolle Progression mehr. Viele Menschen unterschätzen völlig, wie wichtig Wiederholung und Kontinuität beim Training sind. Nicht jede Übung muss ständig neu, kreativ oder spektakulär sein.
Social Media vermittelt oft ein völlig falsches Bild
Wenn man durch Instagram oder TikTok scrollt, sieht Training oft unglaublich spektakulär aus: komplexe Übungen, extreme Transformationen, perfekte Körper und Menschen, die scheinbar nonstop motiviert sind.
Das Problem dabei ist nicht unbedingt, dass solche Inhalte existieren. Das Problem ist eher, dass viele Menschen anfangen zu glauben, das wäre normal. Ist es aber nicht.
Viele dieser Transformationen sind absolute Ausnahmen, teilweise unrealistisch dargestellt oder zumindest weit entfernt von dem, was die meisten Menschen in ihrem normalen Alltag realistisch umsetzen können. Und genau dadurch entstehen oft völlig falsche Erwartungen. Menschen erwarten riesige Fortschritte in kürzester Zeit und sind frustriert, wenn die Realität deutlich langsamer aussieht. Dabei unterschätzen viele komplett, was langfristig möglich wäre.
Viele unterschätzen, was in fünf Jahren möglich wäre
Es gibt diesen bekannten Gedanken, dass viele Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen können, aber unterschätzen völlig, was in fünf Jahren möglich wäre. Und genau das beobachte ich im Training ständig.
Viele hoffen auf die schnelle Komplettveränderung. Ein paar Monate Vollgas und danach bitte komplett transformiert. Die Realität funktioniert aber meistens anders.
Die wirklich beeindruckenden Veränderungen entstehen häufig dadurch, dass Menschen über Jahre halbwegs vernünftig trainieren, ihre Ernährung größtenteils im Griff haben und dauerhaft drangeblieben sind. Nicht perfekt, nicht extrem und nicht komplett asketisch – aber konstant.
Wenn man Menschen wirklich zeigen könnte, was in fünf Jahren möglich wäre, wenn sie regelmäßig trainieren, sinnvolle Trainingspläne nutzen, Progression einbauen, ihre Ernährung größtenteils im Griff haben und langfristig dranbleiben, dann wären viele wahrscheinlich überrascht.
Die meisten erreichen dieses Potenzial allerdings nie, weil sie entweder zu früh aufgeben oder ständig alles wieder komplett verändern.
„Ich habe keine Zeit“
Natürlich kenne ich Menschen mit extrem vollen Terminkalendern – Familie, Beruf, Kinder, Stress und Verpflichtungen. Und trotzdem schaffen manche es, regelmäßig etwas für ihre Gesundheit zu tun.
Warum? Weil sie verstanden haben, dass sich Zeit dafür meistens nicht einfach ergibt. Man muss sie sich bewusst nehmen. Wenn wir darauf warten, dass plötzlich ganz viel freie Zeit entsteht, wird das meistens nichts.
Natürlich bedeutet das auch, dass andere Dinge dann wegfallen. Irgendetwas kostet immer Zeit. Und ganz ehrlich: Für die meisten Menschen würde sich wahrscheinlich schon allein durch einen Blick auf die Bildschirmzeit am Handy erstaunlich viel Potenzial finden.
Das bedeutet nicht, dass jeder plötzlich zehn Stunden pro Woche trainieren muss. Aber zwei- oder dreimal pro Woche eine halbe oder dreiviertel Stunde etwas Sinnvolles zu machen, ist für viele deutlich realistischer, als sie zunächst denken. Und wenn wirklich wenig Zeit vorhanden ist, dann muss die vorhandene Zeit eben möglichst sinnvoll genutzt werden.
Genau deshalb arbeite ich beispielsweise auch mit Menschen im Personal Training zu Hause. Die sparen sich die Anfahrt ins Fitnessstudio und holen aus einer Stunde möglichst viel heraus. Und selbst wenn man sich dauerhaft kein Personal Training leisten möchte oder leisten kann, gibt es trotzdem unglaublich viele Möglichkeiten, auch mit wenig Zeit sinnvoll zu trainieren.
Warum Menschen nach Rückschlägen oft komplett aufgeben
Das sehe ich ebenfalls ständig. Eine Woche krank, Urlaub, stressige Phase oder ein paar Trainingseinheiten verpasst – und plötzlich heißt es: „Jetzt lohnt es sich sowieso nicht mehr.“
Dabei wäre genau jetzt eigentlich der wichtigste Moment, wieder einzusteigen. Ich glaube, viele Menschen bauen nicht nur positive Gewohnheiten auf, sondern leider auch sehr schnell wieder negative. Wenn Training noch keine echte Routine geworden ist, sondern sich eher wie Zwang anfühlt, dann ist der Wiedereinstieg nach einer Unterbrechung oft extrem schwer.
Deshalb versuche ich mit meinen Trainierenden häufig schon vorher Lösungen dafür zu schaffen. Im Personal Training machen wir beispielsweise oft schon vor dem Urlaub direkt den Termin für nach dem Urlaub. Denn wenn daraus irgendwann ein „Ich melde mich dann irgendwann wieder“ wird, dann passiert meistens erstmal längere Zeit gar nichts.
Und genau deshalb ist es häufig besser, auch in stressigen Phasen wenigstens ein bisschen etwas zu machen. Vielleicht dann nicht viermal Training pro Woche, vielleicht nur zweimal oder vielleicht nur ein Kurzprogramm – aber man bleibt drin. Und das macht langfristig einen riesigen Unterschied.
Fazit
Viele Trainingspläne scheitern nicht daran, dass sie komplett schlecht wären. Sie scheitern daran, dass sie nicht zum echten Leben der jeweiligen Person passen: zu perfekt, zu kompliziert, zu ambitioniert oder schlichtweg zu unrealistisch.
Dabei entstehen langfristige Erfolge meistens nicht durch extreme Motivation oder spektakuläre Methoden, sondern durch Dinge, die erstaunlich simpel klingen: Regelmäßigkeit, sinnvolle Gewohnheiten, realistische Planung, Progression und langfristiges Dranbleiben.
Viele kleine Schritte in die richtige Richtung sind am Ende fast immer wertvoller als ein großer Schritt in die falsche Richtung. Und wenn du das bis hier gelesen hast, gehörst du wahrscheinlich bereits zu den Menschen, die sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie Training langfristig sinnvoll in ihr Leben integrieren können.
Genau dabei unterstütze ich Menschen seit vielen Jahren.
Wenn Du dabei Hilfe haben möchtest – sei es durch Personal Training, einen individuell sinnvollen Trainingsplan oder Unterstützung beim langfristigen Dranbleiben – melde Dich gerne bei mir.
📩 torsten@deistertraining.de 📞 0152/33853914
Mehr Infos findest Du auf: www.deistertraining.de
Im vierten und letzten Teil dieser Serie geht es dann noch einmal genauer darum, welche Dinge im Training massiv überschätzt werden, worauf es langfristig wirklich ankommt und warum oftmals nicht die spektakulären Details über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, sondern die einfachen Dinge, die dauerhaft umgesetzt werden.
