Training, das im echten Leben funktioniert – Teil 1/4: Warum ein Trainingsplan im Fitnessstudio einfacher sein muss als Personal Training

Dieser Artikel ist der erste Teil meiner vierteiligen Blogserie „Training, das im echten Leben funktioniert“.

In dieser Serie geht es nicht um Fitness-Perfektionismus, irgendwelche Wunderprogramme oder den neuesten Hype aus Social Media, sondern darum, wie Training und gesunde Gewohnheiten langfristig wirklich funktionieren – im echten Alltag mit Beruf, Familie, Stress, wenig Zeit und ganz normalen Menschen.

Im ersten Teil schauen wir uns an, warum ein Trainingsplan im Fitnessstudio häufig deutlich einfacher aufgebaut sein muss als Personal Training und warum komplizierter nicht automatisch besser bedeutet.

Warum ein Trainingsplan im Fitnessstudio einfacher sein muss als Personal Training

Gestern hatte ich eine neue Klientin im Personal Training. Eine Frau, die eigentlich alles mitbringt, was man sich als Trainer wünschen kann: Trainingserfahrung, gutes Equipment zu Hause – besser als in so manchem Fitnessstudio – und grundsätzlich auch die Fähigkeit, Dinge im Leben strukturiert anzugehen.

Und trotzdem klappt eine Sache nicht so, wie sie es sich wünscht: nämlich alleine Krafttraining regelmäßig durchzuziehen. Nicht, weil sie faul wäre oder keine Ahnung hätte, sondern ganz einfach, weil sie Verbindlichkeit diesbezüglich braucht. Sie braucht einen festen Termin, einen Trainer und damit einen klaren Rahmen, damit das Ganze zuverlässig funktioniert.

Sie hatte vorher schon mit einer sehr guten Kollegin von mir zusammengearbeitet, aber das passte zeitlich irgendwann leider nicht mehr. Über Bekannte ist sie dann bei mir gelandet.

Und sie sagte relativ offen, dass sie genau weiß, wie wichtig Krafttraining ist und dass sie das auch wirklich machen möchte – alleine klappt es aber einfach nicht zuverlässig.

Zusätzlich kommt dazu, dass Krafttraining jetzt nicht ihre große Leidenschaft ist. Sie macht das nicht, weil sie Langhanteltraining liebt oder weil sie stundenlang Trainingsvideos schauen möchte. Sie macht es, weil sie weiß, dass es sinnvoll ist. Viel mehr Spaß hat sie an Ballsportarten und ähnlichen Dingen. Und sie möchte es als Vorsorge für die nächsten Lebensjahrzehnte machen.

Genau deshalb war ihr Wunsch, dass das Training abwechslungsreich gestaltet wird und wenn möglich auch Spaß macht.


Genau dafür ist Personal Training ideal

In so einem Fall kann ich als erfahrener Personal Trainer aus dem Vollen schöpfen. Ich habe über die Jahrzehnte ein ziemlich großes Übungsrepertoire aufgebaut – für unterschiedlichste Zielsetzungen, mit verschiedensten Trainingsgeräten, für unterschiedliche Voraussetzungen und unterschiedliche Menschen.

Das bedeutet konkret, dass ich Training unglaublich abwechslungsreich gestalten kann.

Natürlich gibt es trotzdem immer wiederkehrende Übungen, einfach deshalb, weil man Fortschritt messbar machen muss. Wenn du nie dieselbe Übung machst, wird es schwierig festzustellen, ob du stärker wirst. Rund um diese Grundübungen kann man aber enorm variieren, und genau das macht Personal Training so wertvoll.

Denn wenn ich direkt neben dir stehe, kann ich korrigieren, Bewegungen anpassen, Hinweise geben, Übungen spontan verändern, auf die Tagesform reagieren und die Komplexität des Trainings steuern. Genau dadurch kann ein Personal Training deutlich variabler gestaltet werden als ein klassischer Trainingsplan im Fitnessstudio.


Warum Personal Training und Trainingsplan nicht dasselbe sind

Das, was im Personal Training hervorragend funktioniert, funktioniert in einem normalen Trainingsplan oft überhaupt nicht, und das verstehen viele nicht.

Wenn ich mit dir gemeinsam trainiere, kann ich dir auch komplexere Übungen zeigen. Ich kann dein Setup korrigieren, deine Bewegung anpassen und eingreifen, wenn etwas nicht funktioniert. Und wenn wir im Verlauf der Woche noch ein weiteres Mal gemeinsam trainieren, dann hast Du gegebenenfalls schon wieder neue Aufgaben… vorausgesetzt natürlich, Du stehst auf diese Variation. Falls nicht, sieht Dein Training auch anders aus.

Wenn ich dir dagegen einen Trainingsplan erstelle, den du die nächsten drei oder vier Monate alleine trainieren sollst, sieht die Situation komplett anders aus. Dann stehe ich eben nicht zwei Tage später wieder neben dir, und genau deshalb muss ein Trainingsplan oft deutlich einfacher sein.


Warum „komplizierter“ nicht automatisch besser bedeutet

Viele Trainierende glauben, ein guter Trainingsplan müsse möglichst kreativ, abwechslungsreich oder besonders aussehen. Möglichst viele neue Übungen und am besten auch gleich noch den neuen „heißen Scheiß” von Instagram einbauen.

Das Problem dabei ist, dass sich komplexe Übungen alleine oft nicht sauber reproduzieren lassen. Nicht, weil der Trainierende sich keine Mühe gibt oder weil schlecht erklärt wurde, sondern ganz einfach, weil manche Bewegungen technisch anspruchsvoll sind.

Ein perfektes Beispiel dafür ist Kettlebelltraining.

Ich bin ein riesiger Freund davon und freue mich immer, wenn sich jemand dafür interessiert. Aber ich habe im Studio häufig Situationen wie:

„Kannst du mir mal eben kurz das mit der Kettlebell zeigen?“

Und innerlich muss ich dann immer ein kleines bisschen schmunzeln. Nicht böse gemeint – überhaupt nicht. Aber manche Menschen unterschätzen einfach, wie komplex bestimmte Übungen tatsächlich sind.

Ein Turkish Get-Up zum Beispiel ist keine Übung, die ich dir fünf Minuten zeige und die du danach perfekt beherrschst. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt nicht bei 0,1 Prozent, sondern bei genau null. Das funktioniert einfach nicht.

Und in genau so einem Fall ist es oft sinnvoller, pragmatischer und zielführender, eine einfachere Übung zu wählen, die denselben Muskel oder dieselbe Funktion trainiert.

Nicht die coolste oder spektakulärste Übung gewinnt, sondern die Übung, die zuverlässig funktioniert und langfristig sinnvoll umgesetzt werden kann.


Der Unterschied zwischen ambitionierten und „normalen“ Trainierenden

Natürlich gibt es Menschen, mit denen man deutlich komplexer arbeiten kann. Wenn jemand sehr ambitioniert ist, sich mit Training beschäftigt, vielleicht zusätzlich Kurse besucht oder bereit ist, Technik wirklich zu lernen, dann kann man andere Wege gehen.

Dann macht es auch Sinn, komplexere Übungen einzubauen, technisch anspruchsvoller zu arbeiten und mehr Variation ins Training zu bringen. Aber das ist eben nicht jeder, und das ist auch vollkommen okay. Viele Menschen wollen einfach etwas fitter werden, gesünder werden, Muskeln aufbauen, Schmerzen reduzieren, sich besser fühlen oder ein paar Kilo verlieren.

Nicht jeder möchte Trainingswissenschaft studieren oder komplizierte Bewegungsmuster perfektionieren.

Und genau deshalb muss ein guter Trainingsplan immer zur jeweiligen Person passen.


Das Wichtigste ist nicht die perfekte Übung

Das hier ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Der größte Unterschied ist am Ende oftmals gar nicht, ob du eine Kniebeuge oder eine Beinpresse machst. Der größte Unterschied ist häufig ganz einfach, ob du überhaupt regelmäßig trainieren gehst.

Natürlich gibt es biomechanische Unterschiede zwischen Übungen. Natürlich kann man darüber diskutieren, welche Variante vielleicht „optimaler“ wäre.

Aber ganz ehrlich:

Ein theoretisch perfekter Trainingsplan bringt dir überhaupt nichts, wenn du ihn nicht umsetzt. Und genau deshalb gestalte ich gerade erste Trainingspläne oft bewusst einfacher und kürzer.

Lieber ein Plan, der 45 Minuten dauert, verständlich ist, machbar wirkt und regelmäßig durchgeführt wird, als ein hochkomplexer Zwei-Stunden-Plan, bei dem die Person schon nach drei Tagen innerlich aufgibt.

Gerade bei Trainingsanfängern oder Wiedereinsteigern ist das enorm wichtig. Wenn jemand nach einem harten Arbeitstag denkt:

„Puh… eigentlich habe ich keine Lust und Kraft mehr. Aber die halbe Stunde schaffe ich noch.“

…dann ist das oft viel wertvoller als ein perfekter Plan, der nie umgesetzt wird.


Training darf nicht abschrecken

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Training keine Angst machen darf. Gerade ältere Menschen oder sehr unsichere Anfänger möchten oft keine hochkomplexen Übungen lernen. Eine Frau über 70, die gerade mit Krafttraining beginnt, möchte meistens keinen Turkish Get-Up lernen oder komplizierte Langhantelvariationen machen, und das muss sie auch nicht.

Eine Brustpresse, eine Beinpresse, ein Beinbeuger oder einfache Kniebeugenvarianten können in so einem Fall absolut sinnvoll sein. Vielleicht kommen später komplexere Übungen dazu, vielleicht aber auch nicht. Wichtig ist erstmal, dass die Person überhaupt anfängt, dranbleibt und Vertrauen ins Training entwickelt.


Warum Social Media oft ein falsches Bild vermittelt

Wenn du durch Social Media scrollst, bekommst du oft den Eindruck, dass Training möglichst spektakulär aussehen muss.

Da hängen Leute halb schräg über irgendwelchen Bänken, halten ein Seil in der Hand, wickeln sich gefühlt ein Bandana um den Kopf und erzählen dir, warum genau diese neue Superübung jetzt die beste Übung aller Zeiten ist.

Warum passiert das? Ganz einfach, weil Aufmerksamkeit erzeugt werden muss. Ein Influencer lebt davon, dass Menschen seine Inhalte anschauen. Und natürlich klickt kaum jemand zum zwölften Mal auf ein Video mit „sauberem Trizepsdrücken am Kabelzug“.

Also werden Übungen immer komplizierter, spektakulärer, kreativer und natürlich auch irgendwie „neuer“. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie besser sind.

Und etwas anderes kommt noch dazu:

Wenn ein muskulöser Athlet eine Übung macht und man sieht dabei die Muskulatur arbeiten, dann wirkt das sofort extrem effektiv.

Natürlich sieht ein trainierter Rücken beeindruckend aus, wenn sich da alles bewegt und kontrahiert.

Aber das bedeutet nicht automatisch, dass genau diese Übung allen anderen überlegen ist.

Manchmal sieht etwas einfach nur beeindruckend aus.


Warum langfristige Zusammenarbeit mit einem Trainer sinnvoll ist

Ein guter Trainingsplan entsteht außerdem selten komplett perfekt beim ersten Termin. Natürlich soll der erste Plan gut sein, aber mit der Zeit wird es meistens besser, weil man sich gegenseitig kennenlernt.

Als Trainer lerne ich mit der Zeit, was die Person gut kann, womit sie Schwierigkeiten hat, welche Übungen gut funktionieren, was motiviert und was eher nicht funktioniert. Dadurch kann man langfristig deutlich sinnvoller aufbauen.

Vielleicht passt heute noch keine Langhantelkniebeuge.

Dann beginnt man eben erstmal mit einer Goblet Squat, verbessert Beweglichkeit und Technik und arbeitet Schritt für Schritt darauf hin.

Genau das ist langfristige Trainingsplanung.

Und deshalb halte ich dauerhaftes „Trainerhopping“ meistens nicht für besonders sinnvoll.

Natürlich kann man mal wechseln oder neue Impulse holen. Aber wenn man länger mit einem Trainer arbeitet, entsteht oft deutlich mehr Qualität.


Trainingsplan und Personal Training schließen sich nicht aus

Natürlich ist Personal Training intensiver und individueller als ein normaler Trainingsplan. Aber ich weiß natürlich auch, dass sich nicht jeder mehrmals pro Woche Personal Training leisten kann oder leisten möchte, und das ist vollkommen okay. Trotzdem kann es sehr sinnvoll sein, zumindest zeitweise mit einem Trainer zusammenzuarbeiten.

Zum Beispiel, um Grundtechniken zu lernen, Unsicherheiten abzubauen, Bewegungen korrekt auszuführen oder überhaupt erstmal einen sinnvollen Einstieg ins Krafttraining zu bekommen.

Ich habe häufig Menschen, die beispielsweise ein kleines PT-Paket buchen, um Kettlebell-Grundtechniken zu lernen, danach aber trotzdem eigenständig weitertrainieren und nur gelegentlich wieder Termine wahrnehmen.

Auch das kann eine richtig gute Lösung sein.


Fazit

Ein guter Trainingsplan muss nicht spektakulär aussehen, nicht maximal kompliziert sein und auch nicht wie ein Instagram-Reel mit fünf exotischen Übungen und sieben Spezialtechniken wirken. Ein guter Trainingsplan muss zur jeweiligen Person passen und vor allen Dingen regelmäßig durchgeführt werden.

Denn am Ende bringt dir der theoretisch perfekte Plan nichts, wenn er nur auf Papier existiert.

Im zweiten Teil dieser Serie geht es dann darum, wie ein guter Trainingsplan überhaupt entsteht, warum Individualität so wichtig ist und weshalb ein Plan immer zum Alltag, zur Persönlichkeit und zur jeweiligen Lebenssituation passen muss.


Wenn Du Unterstützung beim Einstieg ins Krafttraining suchst, einen sinnvollen Trainingsplan möchtest oder vielleicht zeitweise mit einem Personal Trainer zusammenarbeiten möchtest, melde Dich gerne bei mir.

📩 torsten@deistertraining.de
📞 0152/33853914

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