Die Insta-Mädels… und wie man es besser macht

Vor ein paar Tagen hatte ich wieder mal einen Notfall: zwei Mädels, die schräg in der Beinpresse lagen und verbogen eine bei Instagram-Models wohl beliebte Übung absolvierten. Mit einem meinem Alter nicht angemessenen hohen Tempo flog ich durch den Raum und stand plötzlich neben den beiden mit dem Hinweis, dass sie das natürlich so machen dürfen… ich es aber so nicht machen würde.

INSTAGRAM! Für den Trainer ist Instagram so etwa dasselbe wie für die Ärzte „Dr Google“. Manche mögen einwenden, dass Instagram die Leser motiviert, inspiriert… dies ist in meinen Augen anzuzweifeln, aber darum geht es hier nicht. Ich möchte über das Inhaltliche sprechen, denn das ist oftmals so richtig, richtig gruselig!

Ich habe selber schon häufiger solche Drehs verfolgen dürfen. Auch wenn der Eindruck erweckt werden soll, dass es einfach Fotos oder Filmchen eines realen Trainings sind… nö! Das ist ein simples Fotoshooting. Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass das Fitnesspärchen sich ihre durchaus attraktiven Körper durch Bodyweight-Kniebeugen mit in die Hände klatschen antrainiert hat!? Kniebeuge – Händeklatschen rechts – Kniebeuge – Händeklatschen links…

Ich geb’s zu, vielleicht bin ich ja auch klein bisschen neidisch, dass man so sein Geld verdienen kann!

Die Mädels und Jungs, die sich auf den Fotos so nett anschauen lassen, die machen im Regelfall dieselben harten, unangenehmen Übungen, die Trainer wie ich euch in die Pläne schreiben: Kniebeugen, Ausfallschritte, Beinpresse, Hipthruster, … schwere Gewichte, hartes Training. Kein in-die-Hände-Klatschen, höchstens nach dem Workout… High Five mit dem Trainingspartner… zumindest zu Nicht-Coronazeiten.

Aber mal ehrlich, wenn die Mädels (und Jungs) immer dieselben Sachen posten würden, würdet ihr euch dann die Beiträge auch so interessiert anschauen und liken? Sind doch „nur“ dieselben Übungen wie ihr sie selber auch macht… Genau hier liegt das Problem. Die Beiträge müssen Likes generieren, möglichst viele, die verdienen schließlich ihr Geld damit. Es werden also Sachen und Übungen gepostet, die ihr (wir!) für interessant halten, auch wenn sie nicht das wahre Leben/ Training abbilden!

Blöd, ne?

Früher war die Welt allerdings auch nicht besser. In meiner Jugend, den 90ern, war ich begeisterter Leser von Fitness-/Bodybuilding-Zeitschriften. Jeden Monat gab es irgendein neues, interessantes Programm, beworben wurden vor allem Supplements. Sinnvolle wie Proteinpulver und andere, na ja.

Beliebt bei den (männlichen) Lesern waren auch die Trainingsbeiträge vom aktuellen Mr Olympia oder anderen Profis. Nette Foto, wo Mr X Bizepscurls mit 40kg-Hanteln macht, hintendran steht dann meist das „Armprogramm“ dieses Profis mit Übungen, Satz- und Wiederholungszahlen. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Programme selbst wenn sie wahr wären für den Trainingsanfänger ungeeignet sind. Sie waren und sind ganz einfach nicht wahr.

Geht dann ungefähr so: ein Mensch sitzt an der Schreibmaschine und denkt sich einen Artikel mit Trainingsplan aus, mit dem Mr X sich seine dicken Arme aufgebaut hat… und dieser Artikel wird dann mit Fotos garniert. Fertig!

Also, sei cleverer als andere und bleib bei den Sachen, die sich bewährt haben! Sieht vielleicht nicht so spektakulär aus… das Resultat möglicherweise schon!

Die beiden jungen Damen standen kurz nachdem ich ihnen eine Kurzform dieses Artikels erzählt hatte bei mir am Arbeitsplatz und haben gefragt, ob ich ihnen denn nicht einen Plan erstellen könnte. Diesen Plan haben sie seit heute und in meinen Augen ist die Welt dadurch ein klein bisschen besser geworden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.