Trainier nicht wie Dein Influenzer

Manchmal kommen Trainierende zu mir und zücken ihr Handy. Nur selten ist der Grund dafür der Wunsch nach einem Selfie mit mir. Selbst mein Buch hat das (noch) nicht geändert, und das ist gut so … und jetzt genug mit diesem Heranschleichen an das Thema um drei Ecken und von hinten herum.

Instagram wird geöffnet und eine junge, gut durchtrainierte, sportliche, spärlich bekleidete Dame oder ein junger, gut durchtrainierter, sehr sportlicher und ebenfalls meist nicht zu üppig bekleideter Mann führt eine Übung aus, zu der die Handybesitzerin – wir bleiben jetzt einfach mal dabei, dass es eine Frau ist, okay? – mir die Frage stellt, ob diese Übung denn gut sei und ob sie diese auch machen solle.

Was macht die denn da?

Meist nehme ich das Handy dann selbst in die Hand und schaue mir das mal ganz genau an. Ich habe die Übung noch nie gesehen, auf jeden Fall nicht so. Es ist immer irgendwas Exotisches dabei, und damit meine ich jetzt nicht die junge, sportliche, spärlich bekleidete Dame, sondern die Übung.

Und meistens lautet meine Antwort: „Nein, das bringt Dir nichts. Tu das lieber nicht!“


Warum diese Übungen oft nichts für Dich sind

1. Sie sind für die Kamera gemacht – nicht für Deinen Fortschritt

Instagram ist keine Trainingsplattform, sondern eine Unterhaltungsplattform. Wer dort erfolgreich sein will, muss Inhalte produzieren, die viele Menschen ansprechen – nicht unbedingt Inhalte, die sportwissenschaftlich sinnvoll sind.

Ein Video mit technisch sauberen Kniebeugen? Langweilig.

Ein Video mit einer Kniebeuge auf einem Balance-Board, während in einer Hand eine Kettlebell geschwungen wird und die andere Hand eine Teetasse balanciert? Spektakulär!

Genauso wie ein knapper Bikini bei einer attraktiven jungen Frau mehr Likes bringt als ein schlabbriger 80er-Jahre-Trainingsanzug bei derselben Person, bekommt auch eine komplizierte Übung mehr Aufmerksamkeit als eine klassische, funktionale Bewegung.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Influencer keine Ahnung von Training haben – aber es bedeutet, dass das, was sie posten, oft nicht das ist, was sie selbst wirklich trainieren.


2. Das echte Training der Influencer sieht anders aus

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele dieser Influencer-Workouts auf Social Media ganz anders sind als das, was sie tatsächlich trainieren.

Was Du siehst: Eine verrückte Kombination aus Sprüngen, Rotation, Balance und akrobatischen Bewegungen.
Was Du nicht siehst: Die soliden Grundübungen, mit denen sie wirklich stärker und fitter werden.

Warum posten sie das dann nicht? Weil ein klassisches Kniebeugen- oder Kreuzheben-Video nicht genug Aufmerksamkeit bekommt. Stattdessen gibt es „Content“ – und dieser muss unterhaltsam sein.

Die meisten Fitness-Influencer haben ihre Basis in Kniebeugen, Kreuzheben, Liegestützen, Klimmzügen und anderen bewährten Übungen. Damit haben sie ihre oft sehr durchtrainierten Körper aufgebaut. Nur sieht das eben nicht spektakulär genug aus, um viral zu gehen.


3. Sie sind oft unnötig kompliziert und riskant

Natürlich gibt es fortgeschrittene Übungen, die Balance und Koordination fordern. Aber viele der gezeigten Übungen sind einfach nur überkompliziert, ohne echten Mehrwert.

Warum einbeinige Kniebeugen auf einem Wackelbrett mit einer Kettlebell über Kopf, wenn Du nicht mal eine saubere normale Kniebeuge beherrschst?
Warum explosiv von einem Kasten springen, in der Luft eine Rotation machen und dann in einem tiefen Ausfallschritt landen, wenn Du nicht mal einen normalen Sprung sauber ausführst… bzw. die Landung nicht beherrschst? Ist übrigens wirklich so… das Problem ist meist nicht der Sprung, sondern die Landung.

Solche Übungen haben ihre Berechtigung – für sehr fortgeschrittene Sportler mit speziellen Zielen. Aber für den Durchschnitts-Trainierenden bringen sie oft mehr Risiko als Nutzen.


4. Influencer und ihre Follower haben oft komplett unterschiedliche Voraussetzungen

Das ist ein Punkt, den viele vergessen: Du bist nicht die Person im Video.

Die meisten Fitness-Influencer haben:

  • Jahrelange Trainingserfahrung
  • Einen sehr niedrigen Körperfettanteil
  • Mehr Zeit fürs Training als der Durchschnitt
  • Einen Beruf, der ihre Fitness unterstützt

Die meisten ihrer Follower haben:

  • Weniger Erfahrung im Training
  • Einen normalen Bürojob oder stressigen Alltag
  • Weniger Zeit für gezieltes Training und Regeneration
  • Eher das Ziel, fitter, gesünder und leistungsfähiger zu werden – und nicht, spektakuläre Moves für Social Media zu beherrschen

Selbst wenn die Übung für den Influencer effektiv sein sollte (was oft nicht mal der Fall ist), heißt das noch lange nicht, dass sie auch für Dich sinnvoll ist.


5. Social Media spielt mit Deiner Psyche – sei Dir dessen bewusst

Warum wollen so viele Leute diese Übungen nachmachen? Weil es cool aussieht? Weil es anders ist? Oder weil sie denken:

„Wenn ich das kann, dann sehe ich vielleicht auch so aus.“

Das ist eine Illusion. Kein Mensch bekommt einen athletischen Körper, nur weil er eine komplizierte Bewegung ausführt.

Training funktioniert über Kontinuität, progressive Belastung und eine gesunde Ernährung – nicht über spektakuläre Showeinlagen.

Dazu kommt ein anderer psychologischer Faktor: FOMO – Fear of Missing Out.

Viele glauben, dass sie etwas verpassen, wenn sie nicht die neuesten, trendigsten Übungen ausprobieren. Aber die Wahrheit ist:

  • Die besten Übungen gab es schon vor Jahrzehnten.
  • Gutes Training ist nicht trendy, sondern effektiv.

Nur weil eine neue Übung cool aussieht, bedeutet das nicht, dass sie besser ist als die Klassiker, die seit Jahrzehnten funktionieren.


Fazit: Effektivität schlägt Show – immer!

Ich bin absolut dafür, dass Training Spaß macht und abwechslungsreich ist. Denn wenn es keinen Spaß macht, bleibt man nicht dran – und dann bringt es auch nichts.

Aber im Vordergrund steht immer die Effektivität und die Umsetzbarkeit im echten Leben. Und das bedeutet: Grundlagen schlagen Show-Einlagen.

Wenn Du ein Training willst, das wirklich zu Dir, Deinem Alltag und Deinen Zielen passt, dann melde Dich bei mir! Ich helfe Dir, ein Training zu finden, das nicht nur effektiv, sondern auch machbar und nachhaltig ist.

Schreib mir eine Nachricht– ich freue mich darauf, Dir zu zeigen, was wirklich funktioniert!

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