“50% ist die Ernährung!” – aber stimmt das eigentlich?

Wenn es um Fitness und Training geht, gibt es ein Sprichwort, das fast jeder schon einmal gehört hat und das auch mir Trainierende oft entgegenwerfen, wenn es um Ernährung geht:

„50% des Erfolges ist die Ernährung.“

Oder manchmal auch 70%, 80% oder gar 90%. Diese Aussage klingt simpel und einleuchtend, doch wenn wir genauer hinschauen, wird schnell klar: Solche pauschalen Prozentangaben sind irreführend – denn der Einfluss der Ernährung ist von Mensch zu Mensch verschieden und auch vom jeweiligen Ziel abhängig.

In diesem Blogartikel möchte ich erklären, warum es keine allgemein gültige Zahl für den Einfluss der Ernährung gibt und wie individuell die Gewichtung zwischen Training und Ernährung wirklich ist.


Warum eine fixe Prozentzahl nicht funktioniert

Die Beziehung zwischen Ernährung und Training ist kein festgelegtes Rezept, sondern vielmehr eine dynamische Interaktion, die von vielen Faktoren abhängt:

  1. Ziele variieren von Person zu Person:
    Willst du Muskelmasse aufbauen, Fett verlieren, deine Ausdauer steigern oder einfach nur gesünder leben? Je nach Ziel verändert sich die Bedeutung der Ernährung.
    • Für Muskelaufbau: Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle, um den Körper mit ausreichend Kalorien und Nährstoffen zu versorgen. Dennoch bleibt das Training der entscheidende Reiz, der das Muskelwachstum überhaupt erst auslöst.
    • Für Fettabbau: Die Ernährung gewinnt hier an Gewicht (ich liebe dieses Wortspiel, da Du ja gleichzeitig an Gewicht verlieren möchtest), da ein Kaloriendefizit für die Fettverbrennung unerlässlich ist. Training kann dabei unterstützend wirken, ist aber alleine nicht ausreichend.
  2. Die Ausgangslage zählt:
    • Ein untrainierter Anfänger, der kaum auf seine Ernährung achtet, wird mit kleinen Veränderungen im Lebensstil große Fortschritte sehen – sowohl durch besseres Training als auch durch verbesserte Ernährung.
    • Ein fortgeschrittener Athlet, der sich bereits optimal ernährt und trainiert, muss sich auf Details konzentrieren. Hier könnte der Einfluss der Ernährung oder des Trainings kleiner wirken, weil das Potenzial für große Sprünge bereits ausgeschöpft ist.
  3. Lebensstil und Alltag:
    Menschen, die einem körperlich aktiven Beruf nachgehen, benötigen andere Ernährungsstrategien als solche, die den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen. Ebenso beeinflussen Stress, Schlafqualität und Alltagsgewohnheiten, wie viel Einfluss die Ernährung tatsächlich hat.

Ernährung und Training: Ein Zusammenspiel

Statt über Prozente nachzudenken, sollten wir Ernährung und Training als Team sehen. Beide arbeiten Hand in Hand, um dich deinem Ziel näherzubringen. Hier ein paar Beispiele, wie sich die beiden Bereiche gegenseitig ergänzen:

  • Das Training setzt den Reiz: Ohne ausreichend intensives Training wirst du weder Muskeln aufbauen noch deine Kondition verbessern. Der Körper braucht diesen Impuls, um sich anzupassen.
  • Die Ernährung liefert die Bausteine: Ohne eine angepasste Ernährung fehlen deinem Körper die Rohstoffe, um sich zu regenerieren und zu wachsen. Für Muskelaufbau bedeutet das beispielsweise genug Protein und Kalorien, für Fettabbau ein moderates Kaloriendefizit.

Es ist wie bei einem Auto: Das Training ist der Motor, der durch Richtung Ziel bewegt, und die Ernährung ist der Treibstoff. Du brauchst beides, aber wie viel Gewicht du jedem beimisst, hängt von deinen individuellen Zielen und Umständen ab.


Wie findest du deine ideale Balance?

Anstatt dich auf eine fixe Prozentzahl zu versteifen, solltest du dir folgende Fragen stellen:

  1. Was ist mein Ziel?
    Will ich stärker werden, abnehmen oder meine Ausdauer verbessern? Dein Ziel bestimmt, wie viel Fokus du auf Ernährung und Training legen solltest.
  2. Wo stehe ich gerade?
    Analysiere ehrlich deinen aktuellen Zustand: Wie sieht dein Training aus? Wie ernährst du dich? Wo gibt es die größten Baustellen?
  3. Was passt in meinen Alltag?
    Ein ausgeklügelter Ernährungsplan bringt nichts, wenn du ihn nicht umsetzen kannst. Finde eine Lösung, die sich an deinen Alltag anpasst, und passe sie schrittweise an.
  4. Habe ich Geduld?
    Fortschritt braucht Zeit, egal ob du an deinem Training oder deiner Ernährung arbeitest. Setze auf nachhaltige Veränderungen statt auf schnelle Lösungen.

In der Zusammenarbeit mit Klienten ist mir auch wichtig, mehr pragmatisch als dogmatisch zu handeln und dementsprechend Empfehlungen zu geben. Oft sind Trainierende – meist Männer – beim Thema Ernährung zu Beginn verschlossen bis feindselig. Auch wenn das den zu erwartenden Erfolg arg einschränkt, so empfehle ich doch immer, wenigstens mit dem Training schon mal zu starten. Auch ohne Ernährungsumstellung gibt es bereits viele positive Auswirkungen des Trainings, wenngleich diese mit einer Ernährungsanpassung natürlich weit besser sein könnten.


Fazit: Es gibt keine Zauberformel

Ob 50%, 70% oder 90% – solche Zahlen sind nicht mehr als leere Floskeln. Der Erfolg im Fitnessbereich hängt von vielen Faktoren ab, und die Gewichtung zwischen Ernährung und Training ist individuell. Viel wichtiger als fixe Prozentangaben ist es, eine Balance zu finden, die zu Deinen Zielen und deinem Lebensstil passt.

Anstatt dich in pauschalen Aussagen zu verlieren, solltest du Dein eigenes Rezept finden – eines, das für Dich funktioniert und Dich Deinem Ziel Stück für Stück näher bringt. Und denk daran: Der Schlüssel zum Erfolg ist nicht Perfektion, sondern Konstanz.

Wie sieht es bei Dir gerade aus? Hast Du durch Veränderungen Deiner Ernährung Erfolge erzielen können oder ist dies möglicherweise noch das Thema, welches bei Dir am meisten Entwicklungspotential hat? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

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